Hamster - Oft unterschätzte Heimtiere


Hamster gehören zu den am meisten missverstandenen Heimtieren überhaupt. Das liegt daran, dass sie das Image eines anspruchslosen Nagers haben, der aufgrund seiner geringen Größe nur wenig Platz braucht.

Durch die Aufnahme von Pflegehamstern kam ich in Kontakt mit unzähligen Menschen, die leider nicht einmal im Ansatz wussten, was für ein Tier sie sich ins Haus geholt haben.

 

Der wohl größte Irrtum ist, der Hamster sei ein Wüstentier. Tatsächlich trifft das bestenfalls auf eine Hamsterart zu, den Roborowski-Zwerghamster. Teile seines Verbreitungsgebietes bestehen aus Sandwüsten mit spärlicher Vegetation.

Andere Zwerghamsterarten wie die Dsungarischen Zwerghamster und Campbell Zwerghamster leben in Steppen (baumloses Grasland), und die Heimat des beliebten syrischen Goldhamsters ist bewirtschaftetes Farmland. Da der Goldhamster sich an den Feldfrüchten satt frisst, wird er wie ein Schädling behandelt und gejagt. Deshalb gilt sein Bestand inzwischen als gefährdet.

 

Hamster sind Bodenbewohner. Sie graben sich in der Erde einen Bau, oder nutzen Tunnelsysteme, die andere Kleinsäuger angelegt haben. Die ganze Anatomie des Hamsters (kurze Beine, länglicher Körper) ist darauf ausgelegt zu graben, sich in engen Tunneln zu bewegen und bei Dunkelheit zurechtzufinden (lange Tasthaare im Gesicht).

 

Was Hamster dagegen überhaupt nicht gut können ist Sehen und Klettern. Höhen können sie deshalb nur schlecht einschätzen, und beim Hangeln an einer Käfigdecke verlässt sie schnell die Kraft, um sich festzuhalten.

Zudem sind sie Tiere, die ihre Schlafstätte meist erst im Schutz der Dunkelheit verlassen, was bedeutet, dass sie dämmerungs- und nachtaktiv sind.

 

Wenn der Hamster sein unterirdisches Reich verlässt, geht er auf Nahrungssuche. Was der Hamster nicht sofort verzehrt, stopft er in die sehr dehnbaren Backentaschen, um es zu transportieren. Die gesammelten Schätze werden in den Bau getragen und dort als Vorrat gelagert, von dem er tagsüber frisst.

 

Manche Hamster halten in der Natur Winterschlaf. Die als Haustiere gehaltenen Hamster tun das in der Regel nicht. Es kann jedoch vorkommen, wenn die Temperaturen in dem Raum, in dem sich der Hamster aufhält, sehr tief sinken. Die Tiere wirken dann wie tot, sind kalt und atmen kaum noch.

Bei Dsungarischen Zwerghamstern und Hybriden kann man außerdem häufig beobachten, dass sich ihr Fell im Winter weiß färbt, weshalb sie auf englisch „winter white dwarf“ genannt werden. Ich hatte zwei solcher Zwerge, die dann auch weiß geblieben sind.

 

Verglichen mit anderen Heimtieren gibt es Hamster noch nicht lange im Handel. Beispiel: Die ersten syrischen Goldhamster wurden 1930 gefangen und gezielt vermehrt. In den 1950er Jahren wurden sie schließlich als Versuchstiere etabliert und kamen später in den Heimtierhandel.

Obwohl Hamster inzwischen ganz anders aussehen wie ihre wilden Verwandten, haben sie sich ihre natürlichen Instinkte bewahrt und sind als Exoten zu betrachten.

 

Wenn wir das Wort „Exot“ hören, denken wir zuerst an Tiere wie Leguane oder Schlangen, die hohe Ansprüche an die Haltung stellen.

Hamster sind jedoch ebenfalls höchst anspruchsvoll, was die Haltung angeht.

Ein artgerecht gehaltener Hamster verhält sich ganz anders als ein Artgenosse, der in einem kleinen Plastikknast lebt, der weder seinen Bedürfnissen gerecht wird, noch seine Instinkte anregt.

Mangelnde Bewegung, fehlende Versteckmöglichkeiten und falscher Umgang (ständiges Wecken, grobes Handling) verursachen beim Hamster enormen Stress, was wiederum einen viel zu frühen Tod bedeuten kann, da Stress bekanntlich das Immunsystem schwächt und krank macht.

 

Während der Goldhamster ein Einzelgänger ist und lediglich zur Paarung freiwillig mit Artgenossen Kontakt aufnimmt, leben Zwerghamster in der Natur zumindest zeitweise in Paaren und Familienverbänden. In der Heimtierhaltung ist die Gruppenhaltung von Zwerghamstern jedoch nicht zu empfehlen. Wenn es bei Paaren oder Gruppen zu Streit kommt, kann das unterlegene Tier nirgendwohin flüchten. Die Folgen können schwere Bissverletzungen und der Tod des unterlegenen Hamsters sein.

In Tierhandlungen sieht man zwar oft, dass mehrere Hamster in den Schaukästen aneinander gekuschelt auf einem Haufen liegen, jedoch handelt es sich hier um Jungtiere, die noch kein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen.

Ein großer Käfig schützt nicht vor Streitigkeiten, im Gegenteil! Je größer das Revier ist, desto eher neigen die Tiere dazu, ihren Platz zu beanspruchen. In kleinen Behältnissen mit wenig Einstreu, ohne Strukturen und Versteckmöglichkeiten sind die Tiere dagegen gehemmt, weil es darin nichts Lohnenswertes gibt, was sie verteidigen können. Eine gute Haltung ist das allerdings nicht.

 

Wenn man sich für eine Hamsterart entscheidet, sollte man sich vor der Anschaffung genauestens über diese Art informieren, um ihren individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.