Hamster und Katzen: Vertragen die sich?


In Kleinanzeigen lese ich viele Gründe, warum Hamster abgegeben werden. Die Häufigsten sind Allergien der Halter oder Zeitmangel, aber es kommen auch gelegentlich „ist nachts zu laut“, „wird nicht zahm“ oder „verträgt sich nicht mit Katze“ vor.

Bei letzterem Grund frage ich mich, was die Halter denn anderes erwartet haben.

 

Ich halte seit rund 17 Jahren Katzen, und das ist weit länger, als ich Hamster habe. Aktuell leben bei mir drei Stubentiger, die sich ihr Revier mit mir und einer wechselnden Anzahl Hamster teilen. Katzen schließen mit Hamstern keine Freundschaften, und das ist von der Natur vorgegeben.

 

Katzen sind hochspezialisierte Raubtiere, die bevorzugt kleine Nagetiere, hauptsächlich Mäuse, fangen. Sie machen aber auch vor Vögeln und jungen Kaninchen nicht Halt. Ein Hamster fällt erst recht in ihr Beuteschema.

Damit das Zusammenleben von Hamstern und Katzen nicht in einem blutigen Desaster endet, sollte deshalb Folgendes unbedingt beachtet werden:

 

Keine Gitterkäfige verwenden, da Katzen einen am Gitter kletternden Hamster schwer verletzen können. Sie können mit ausgefahrenen Krallen nach ihm schlagen oder in seine Pfoten beißen. Noch junge und kleine Hamster kann eine Katze sogar komplett durch die Gitterstäbe ziehen oder Körperteile abreißen. Von solchen Fällen habe ich zum Glück nur gelesen, und die Hamster haben es nicht überlebt.

Wie solch ein grausames Ende aussieht, demonstrieren meine Katzen an einer Spielmaus:

Wenn sich seitliche Gitter nicht vermeiden lassen, müssen diese unbedingt doppelt und in einigem Abstand zueinander gesetzt werden, damit Katzenkrallen und -zähne den Hamster nicht erreichen können:

Bei nach oben zu öffnenden Gehegen muss die Abdeckung stabil genug sein, dass sie eine darauf liegende Katze aushalten kann. Die Abdeckung darf keinesfalls verrutschen oder von einer Katze angehoben werden können. Schiebetüren sind mit einem Gummikeil oder einem Terrarienschloss zu sichern.

 

Damit der Hamster sich nicht permanent beobachtet fühlt, sollte das Gehege zu drei Seiten blickdicht sein. Aquarien und Glasterrarien kann man dafür mit einer Folie bekleben. Zur Not helfen auch Zeitungspapier oder Pappe.

 

Hat der Hamster in einem Zimmer Auslauf, gehören Katzen ausgesperrt. Selbst bei den friedlichsten Stubentigern kann plötzlich das Jagdfieber ausbrechen, wenn ihnen ein naiver Hamster direkt vor der Nase herumspaziert. Durch Jahrzehnte lange Zucht in sicherer Umgebung hat der Hamster den Sinn für Gefahren verloren. Er weiß nicht, was Katzen sind und dass sie ihn umbringen können. Katzen werden jedoch von den flinken Bewegungen eines Hamsters gereizt und können von einem Augenblick auf den anderen lospreschen.

 

Mir sind Videos auf Youtube bekannt, in denen Katzen Hamstern wohlgesonnen scheinen. Solche Videos zeigen jedoch nur kurze Szenen und gewiss nicht die ganze Wahrheit. Zumindest namenhafte Youtuber würden wohl kaum zeigen, wenn ihre Katze den Hamster verfolgt und das Tierchen mit den Pfoten anstupst, damit es losrennt. Dafür würden sie nur böse Kommentare bekommen. Für einen Hamster ist das "Spielen" mit einer Katze nämlich alles andere als lustig und beängstigend, wenn er keinen sicheren Rückzugsort findet. Für eine Katze widerum ist es kein Spiel, sondern kurz vorm bitteren Ernst!

Katzen machen keinen Unterschied zwischen Spielzeug und realer Beute.

Den Jagdtrieb kann man Katzen nicht aberziehen. Er ist bei den einzelnen Tieren unterschiedlich stark ausgeprägt, aber immer vorhanden. Verhält sich eine Katze gegenüber potenzieller Beute völlig ignorant und lässt sich von ihr sogar als Klettergerüst benutzen, würde ich ein physisches oder psychisches Problem dahinter vermuten. Normal ist das jedenfalls nicht und schon gar nicht übertragbar auf die Katze/n, die man selbst Zuhause hat.

 

Katzen wegen ihres Jagdtriebes zu bestrafen ist unsinnig und wirkt sich negativ auf die Beziehung zu ihren Menschen aus. Es lohnt sich mehr, Katzen eine gewisse Zurückhaltung beizubringen, indem man sie mit Futter zu einem bestimmten Platz führt, von dem aus sie den Hamster beobachten dürfen. Durch häufiges Belohnen lernen sie, dass es sich auszahlt, auf diesem Platz zu bleiben.

 

Junge Katzen, die für diese Methode noch viel zu aufgedreht sind, sollte man ausgiebig mit einer Ersatzbeute bespielen. Dafür eignet sich eine Katzenangel hervorragend. Es genügt in der Regel nicht, nur ein Spielzeug zu werfen, mit dem sich die Katzen selbst beschäftigen sollen. Aus Sicht der Katzen macht das Jagen nämlich erst dann richtig Spaß, wenn sich die Beute bewegt, wenn sie flieht, springt und zuckt. Katzen, deren Jagdtrieb befriedigt wurde, sind glücklich und verspüren weniger das Bedürfnis, zusätzlich einem Hamster nachzustellen.

Für den Hausfrieden sollte man deshalb bereit sein, ausreichend Zeit (Wochen bis Monate) zu investieren und die Samtpfoten täglich artgerecht beschäftigen. Dazu Regeln aufstellen, statt nur Verbote zu erteilen.

 

Einem Hamster kommt man entgegen, indem man für seine Sicherheit sorgt und ihn nicht absichtlich einem Räuber vor die Nase setzt. Das kleine Tier wird sich seine Angst aus Selbstschutz nicht anmerken lassen, aber sie ist defintiv da und kann in Dauerstress ausarten.

 

Eine dauerhafte Trennung von Hamstern und Katzen ist angebracht, wenn die Tiere sich an die Anwesenheit des jeweils anderen nicht gewöhnen und sich der angespannte Zustand selbst bei Berücksichtigung oben genannter Tipps auch nach Wochen nicht bessert. Kein Hamster sollte sich sein Leben lang fürchten und verstecken müssen, weil er während seiner Wachphasen ständig beobachtet und verfolgt wird.

So würden wir auch nicht leben wollen, oder?