Klartext - Liebe Eltern,...


Es ist wieder an der Zeit, Klartext zu reden!

 

Ich bekomme manchmal Anfragen, dass einer meiner Pflegehamster als Geschenk für ein Kind ausgewählt wurde. Eine Vermittlung lehne ich grundsätzlich ab, wenn ich erfahre, dass ein Kind für das Tier hauptverantwortlich sein wird. Dafür gibt es gute Gründe.

 

Liebe Eltern, 

bitte lest diesen Text aufmerksam, wenn auch ihr darüber nachdenkt, euren Kindern einen Hamster zu schenken.

 

Dies sind die Gründe, warum Hamster keine geeigneten Tiere für Kinder sind:

 

Hamster sind überwiegend nachtaktiv.

Bitte nicht stören!

 

Überwiegend, weil sie durchaus tagsüber mal kurz das Nest verlassen, um ein paar Körner einzusammeln, oder um fix aufs Klo zu gehen, was bei meinen Hamstern in der Regel das Sandbad ist. Danach geht es aber ganz schnell wieder zurück ins Nest. Am Tag hat kein Hamster Lust darauf, aus seinem Gehege genommen und auf irgendeine Weise "beschäftigt" zu werden.

 

Richtig wach und aktiv werden die Tiere erst zwischen Abend und Mitternacht! Eure schulpflichtigen Kinder bekommen den Hamster deshalb wahrscheinlich selten zu sehen.

Möglicherweise kommen sie deshalb auf die Idee, den Hamster tagsüber zu wecken. Das stresst ihn jedoch extrem, und nicht wenige der anfangs niedlichen Backenstopfer entwickeln sich dadurch zu schlecht gelaunten, bissigen Kinderschreckern.

 

In der Nacht gehen Hamster vielen Aktivitäten nach: Sie buddeln in der Einstreu, laufen im Rad und nagen Dinge an. Das ergibt eine gewisse Geräuschkulisse, die Kinder den Schlaf raubt, wenn das Gehege im Kinderzimmer steht. Umgekehrt kann ein Hamster sich durch die Geräusche tagsüber spielender Kinder gestört fühlen. Hamster gehören deshalb nicht in Kinderzimmer!

 

Hamster sind teuer.

 

Der Hamster selbst und die Unterhaltskosten für Futter und Einstreu sind gering. Sobald es jedoch um eine artgerechte Unterbringung und tiergerechtes Zubehör geht, ist man 200 – 300 Euro (Neuwert) los. Günstiger kommt man bei gebrauchten Gehegen weg, die in den Kleinanzeigen angeboten werden. An der Unterbringung zu sparen oder aus Platzmangel zu einem Gehege unter Mindestmaß (100 x 50 cm Grundfläche) zu greifen, ist keine Lösung. Der Hamster ist ein Lebewesen mit Recht auf eine möglichst artgerechte Haltung, und ihr würdet doch auch nicht in einer Besenkammer leben wollen.

 

Teuer kann es zusätzlich werden, wenn der Hamster krank wird. Ein Besuch beim Tierarzt kostet im Schnitt zwischen 10 und 50 Euro. Das hängt davon ab, was gemacht werden muss, damit der Hamster wieder gesund wird.

 

Hamster benötigen viel Platz.

 

Als Mindestgröße für ein Gehege wird eine Grundfläche von 100cm Länge und 50cm Breite (=0,5qm) empfohlen. Das gilt für alle Hamster. Für Goldhamster und die oft scheuen Roborowski-Zwerghamster ist dieser Platz selten ausreichend, da sie ein enormes Bewegungsbedürfnis haben. Sie benötigen ein Gehege zwischen 0,6qm und 1qm.

In zu kleinen und ungeeigneten Gehegen zeigen Hamster Verhaltensstörungen wie das nervtötende Gitternagen.

 

Hamster sind empfindlich und leben nicht lange.

 

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Hamsters liegt bei 2 – 3 Jahren. Tatsächlich sterben viele Hamster früher, da sie anfällig für Tumore und Infektionen sind. Weibliche Hamster neigen zur Gebärmutterentzündung. Vorbeugen kann man dem kaum, aber man kann rechtzeitig eingreifen und den Hamster behandeln lassen. Das setzt voraus, dass man ihn wenigstens 1 x pro Woche einem ausführlichen Gesundheitscheck unterzieht und sein Gewicht festhält.

 

Da kommt ihr wieder ins Spiel, liebe Eltern, denn eure Kinder werden mit den vorbeugenden Untersuchungen und der Pflege eines kranken Hamsters wahrscheinlich überfordert sein.

Sie können euch vielleicht noch darauf aufmerksam machen, dass mit dem Hamster etwas nicht stimmt, aber es ist dann eure Aufgabe, das Tier zu begutachten und zeitig zum Tierarzt zu bringen, wenn tatsächlich etwas auffällig ist. Anschließend seid ihr dafür verantwortlich, den kranken Hamster zu überwachen und ihm ggf. immer pünktlich seine Medikamente in der richtigen Dosis zu verabreichen.

 

Ich erwähne diese Selbstverständlichkeiten deshalb, weil ich bereits einige Hamster aus Kinderhaushalten in Pflege bekam, die sehr krank waren, wovon die Erwachsenen jedoch nie etwas gewusst haben wollten.

Rufus war ein Kinderzimmerhamster und hatte einen großen Tumor am Bauch, der weder Kindern noch Eltern aufgefallen war. Meine Tierärztin konnte ihn zum Glück noch operieren.

 

Hamster sind keine Streicheltiere!

 

Es gibt Hamster, die ruhig auf der Hand sitzen bleiben, während sie gekrault werden. Man sollte jedoch keinen Hamster holen in der Erwartung, dass der dann genauso zahm wird, denn solche Hamster sind eine absolute Ausnahme.

 

Die meisten Hamster dulden es lediglich, angefasst zu werden. Das bedeutet nicht, dass sie es mögen. Man erkennt ihr Unbehagen daran, dass sie sich permanent von der greifenden Hand zu entfernen versuchen. Kinder machen sich gerne einen Spaß daraus, den Hamster auf den Händen zu balancieren, dass er von einer Hand auf die andere läuft. Dabei kann es jedoch passieren, dass der Hamster ein Geräusch hört, das ihn ängstigt, und dann sprintet er plötzlich los. Fällt der Hamster dabei aus der Hand, kann er sich, je nach Fallhöhe, Prellungen oder schwere Brüche zuziehen.

 

Idealerweise zähmt man den Hamster nur, damit er Berührungen ohne Angst ertragen und man ihn untersuchen oder im Falle einer Krankheit behandeln kann. Ansonsten fasst man ihn nicht an.

 

Die Zähmung eines Hamsters kann mehrere Wochen bis Monate dauern. In der Zeit können eure Kinder bereits das Interesse an dem Tier verlieren, wenn sie keine Geduld mit dem Tier haben. Durch Ungeduld und grobes Handling können diese Tiere zudem sehr scheu werden.

Twister war ein extremes Beispiel dafür, was ungeschickte Kinderhände anrichten können. Ich habe zwei Monate gebraucht, bis er mir vertraut hat und sich anfassen ließ.

 

Hamster erfüllen selten die Erwartungen von Kindern.

 

Das liegt daran, dass man mit Hamstern im Grunde nicht viel mehr machen kann, als sie zu beobachten. Außerdem ist jeder Hamster ein Individuum und nicht vergleichbar mit dem von Klassenkameraden oder einem aus Youtube Videos, die eure Kinder mögen. Wenn ihr Pech habt, erwischt ihr einen sehr schüchternen Hamster, der sich erst aus seinem Nest traut, wenn alle Menschen im Bett sind und das Licht aus ist.

 

Was glaubt ihr, wie lange eure Kinder Lust darauf haben, jeden Tag Futter und Wasser in das Gehege zu stellen, ohne den Bewohner zu Gesicht zu bekommen?

Wenn man ein Tier zum Streicheln und Spielen haben möchte, eignen sich Hund oder Katze besser als Hamster.

 

Fazit:

 

Ein Teil meiner Pflegehamster ist ursprünglich für Kinder angeschafft worden und wurde wegen Zeitmangel oder Allergie abgegeben.

 

Gänzlich bin ich nicht abgeneigt, einen nervenstarken Hamster in einen Haushalt mit Kindern zu vermitteln, sofern im Vorgespräch klar wird, dass der Hamster nicht als Kinderspielzeug herhalten und in einem ruhigen Bereich untergebracht sein wird. Ich bin selber mit unterschiedlichen Tieren aufgewachsen und finde, dass Kinder von Tieren in ihrem Umfeld profitieren.

 

Ihr Eltern lebt euren Kindern den verantwortungsbewussten und respektvollen Umgang mit Tieren vor. Eine Abgabe aus Zeitmangel oder Desinteresse lässt sich sehr leicht vermeiden, wenn ihr kritisch hinterfragt, ob ihr die Verantwortung für die nächsten Jahre übernehmen wollt und könnt. Die Frage, wer zum Beispiel den Hamster im Urlaub versorgt, muss vor seinem Einzug geklärt sein.

 

Solltet ihr ein schlechtes Gefühl und Zweifel haben, ist es letztendlich für das Tier das Beste, wenn ihr euch gegen es entscheidet.

 

 

(Verfasst am 9. April 2019)