Artgerechte Hamsterhaltung - Ein Dilemma


Wie genau die artgerechte Haltung von Hamstern aussieht, ist gesetzlich nicht festgelegt.

Während es genaue Vorschriften gibt, wie viel Platz Mastschweine oder Legehennen zustehen (die selbst bei den geltenden Gesetzen noch arm dran sind), genießen Hamster und andere Kleintiere überhaupt keinen Schutz.

Es gibt lediglich Empfehlungen, wie zum Beispiel von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V., die zu einer Gehegegrundfläche von mindestens 100 x 50 cm (0,5qm) rät*.

Dieses Mindestmaß ist jedoch nur ein Kompromiss und nicht für jeden Hamster ausreichend. Stereotypes Verhalten wie Gitternagen legen Hamster nachweislich erst ab einer Gehegegröße von 1qm ab, bzw. zeigen sie dieses Verhalten dann deutlich seltener. Das wurde in einer wissenschaftlichen Studie an Goldhamstern bewiesen**.

Hamster, die den Kontakt zu Menschen scheuen, profitieren ebenfalls von mehr Platz und können, sofern man ihnen dazu reichlich Versteckmöglichkeiten bietet, ihre Scheu sogar ablegen, da sie die Sicherheit haben, jederzeit flüchten zu können. In kleinen Käfigen leiden solche Tiere dagegen unter Dauerstress und wissen sich irgendwann nur noch mit den Zähnen zu wehren.

Handelsüblicher Käfig im Vergleich zu einem tiergerechten Laufrad (Wodent Wheel, 27cm Durchmesser). In dem Käfig hat ein Goldhamster leben müssen!

 

Leider sind die meisten im Handel erhältlichen Hamsterkäfige und -gehege deutlich kleiner als das von der TVT empfohlene Mindestmaß, und die mit dem Mindestmaß sind leider so unverschämt teuer, dass es kaum jemand bezahlen kann oder will. Dazu kommt, dass das Mindestmaß häufig als ideales Maß angesehen wird, das man nicht überschreiten braucht, aber das ist leider falsch. Die Mindestgröße stellt lediglich das absolute Existenzminimum dar, d.h. größer geht immer! Wer an seiner Wand 150, 200 oder 250 cm frei hat, sollte diese Länge unbedingt ausnutzen und dem Hamster maximalen Raum schaffen. Täglicher Auslauf kann ein großes Gehege nicht ersetzen, da viele Hamster erst spät in der Nacht aktiv sind und ihre Halter längst schlafen.

 

Geeignete Gehege können sich Bastler selbst herstellen: Bei ausgedienten Aquarien können Wände entfernt und zwei oder mehrere Behälter miteinander neu verklebt werden.

Eigenbau mit den Außenmaßen 100 x 55 x 55 cm.

Aus Regalböden und Plexiglas kann man Gehege mit Panoramafenster bauen. Diverse IKEA Möbel wie Detolf Vitrinen können, wenn man sie auf die Seite legt, ebenfalls zum Hamsterheim umgebaut werden. Um hoch einstreuen zu können, braucht man nur noch einen Aufsatz aus Holz und Gitter.

 

Egal für welche Variante man sich entscheidet: In jedem Hamstergehege sollte zumindest ein Bereich mit tiefer Einstreu (20 - 40 cm) zum Graben vorhanden sein. Naturnah wäre es, wenn das gesamte Gehege tief eingestreut ist, aber das lässt sich nicht immer bewerkstelligen.

 

Als Einstreu geeignet ist staubarme Hobelspäne wie Allspan oder Peer-Span (für Allergikerpferde, ohne Duftstoffe) und Hanfstreu, das mit Heu gemischt werden muss, damit Gänge darin halten.

 

Hinweis für Allergiker: Handelsübliche Hobelspäne kann extrem stauben und tränende Augen und Niesattacken auslösen. Bevor man den Hamster als Auslöser für eine Allergie bezichtigt, sollte man über einen Streuwechsel nachdenken. Damit tut man im Zweifelsfall nicht nur sich selbst, sondern auch dem Tier etwas Gutes. Immerhin hält sich der Hamster den Großteil seines Lebens in der Einstreu auf und kann ebenso wie wir unter Augen- und Atemproblemen oder heftigen Ausschlägen leiden, wenn er sie nicht verträgt!

 

 

*Merblätter der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.: http://www.tierschutz-tvt.de/index.php?id=merkblaetter#c138

 

**Behaviour of golden hamsters (Mesocricetus auratus) kept in four different cage sizes: http://www.tierschutz.vetsuisse.unibe.ch/unibe/portal/fak_vetmedizin/c_dept_dcr-vph/e_inst_tierschutz/content/e191756/e224004/e224515/e239751/Diss_Fischer_ger_eng.pdf