Tiergerechte Einrichtung - was der Hamster alles braucht


 

Bei der Auswahl des Zubehörs sollte man kritisch vorgehen und keinesfalls am falschen Ende sparen. Der Hamster wird es danken!

 

Eines der wichtigsten Einrichtungsgegenstände ist das Laufrad. Es darf in keinem Gehege fehlen!

 

Der Durchmesser eines Laufrads muss so groß sein, dass das Tier mit einem geraden Rücken darin laufen kann. Kleine Zwerghamster (Roborowski-Zwerghamster) benötigen einen Durchmesser von 20cm. Für große Zwerge (Hybriden, Dsungarischer und Campbell-Zwerghamster, Chinesischer Streifenhamster) sollte der Durchmesser mindestens 25 cm betragen.

Gold- und Teddyhamster brauchen ein Laufrad mit mindestens 27 cm Durchmesser („Wodent Wheel“), besser sind 30cm.

 

Die Rückwand und die Lauffläche müssen geschlossen sein, damit der Hamster sich nicht in der Aufhängung einklemmen oder mit den Füßchen zwischen die Speichen geraten kann.

 

Die Lauffläche darf nicht gewölbt sein, weil der Hamster dadurch Haltungsschäden davontragen kann.

 

Dieses Laufrad hat meiner früheren Zwergin "Olga" den Rücken kaputt gemacht. Die Ursache waren der zu geringe Durchmesser und die gewölbte Lauffläche.

 

Außerdem sollte das Rad leichtgängig und aus unbedenklichem Kunststoff oder Holz sein. Wer ein besonders leises Rad möchte, sollte eines mit Kugellager wählen.

 

Dass Laufräder den Hamster süchtig machen und die Tiere verblöden, sind Ammenmärchen und durch eine wissenschaftliche Studie* widerlegt worden.

Viel mehr ist es Tierquälerei, einem Hamster kein für ihn geeignetes Laufrad anzubieten! In der Studie, die an syrischen Goldhamstern vorgenommen wurde, liefen die Hamster in jeder Nacht mehrere Kilometer weit in ihren Laufrädern – eine derartige Strecke hätten sie in keinem Gehege ohne Laufrad zurücklegen können. Die Hamster, die als Haustiere gehalten werden, unterscheiden sich in ihrem Bewegungsdrang nicht von den Laborhamstern oder ihren wilden Verwandten.

 

Verstecke und Häuser sind ebenso essenziell wie ein Laufrad und dürfen auf keinen Fall im Gehege fehlen. Hamster wollen tagsüber im Dunkeln und unbeobachtet ruhen. Außerdem legen sie sich, meistens in ihrer Schlafstätte, einen Essensvorrat an. Zum Auspolstern des Nests ist unbedrucktes Klopapier geeignet.

Heras Nest, das sie sich unter einer Ebene angelegt hat.

 

Verstecke geben dem Hamster Sicherheit, denn er ist ein Fluchttier. In einem Korktunnel, einer Posterrolle aus Pappe oder unter einer Weidenbrücke muss er nicht fürchten, von einem Raubtier gesehen zu werden. Das schließt übrigens auch uns ein! Hamster wollen nicht ständig angesehen werden und fassen es als Bedrohung auf. Darum sind zum Beispiel durchsichtige Plastikröhren als Verstecke völlig ungeeignet und haben im Gehege nichts verloren.

 

Auf Plastik sollte man ohnehin verzichten, da sich vor allem in den Häusern Kondenswasser ansammelt. Futtervorräte können in Plastikhäusern sehr schnell zu schimmeln anfangen, was für das Tier alles andere als gesund ist:

In dem Dreck hat mal ein Hamster gelebt!

 

Idealerweise ist ein Häuschen also aus Holz. Dazu sollte es ein abnehmbares Dach besitzen und über mehrere Kammern verfügen. In einer der Kammern wird der Hamster dann sein Geschäft verrichten und in einer anderen schlafen und das Futter bunkern.

 

Im Internet lese ich immer wieder Diskussionen darüber, aus welchem Holz Häuser gefertigt sein müssen und welche man auf keinen Fall benutzen darf. So wird von Häusern mit dunkler Rinde pauschal abgeraten, weil sie harzen sollen. Ich bin da weniger voreingenommen, da ich mit solchen Häusern bisher nie schlechte Erfahrungen mit austretendem Harz gemacht habe. Grundsätzlich schadet es jedoch nicht, jedes Stück einzeln zu inspizieren und auf Gefahrenquellen wie Harz oder hervorstehende Nägel zu achten.

 

Für das körperliche Wohlbefinden und ein schönes Fell sorgt ein Sandbad. Auch das ist für jede Hamsterart ein Muss. Ohne Sandbad bekommen Hamster oft ein strähniges und fettiges Fell, was die Halter manchmal auf die Idee bringt, das Tier mit Wasser zu baden. Hamster sind jedoch wasserscheu und leiden Todesangst, wenn man sie badet.

Hui!

Das Sandbad muss groß genug sein, dass der Hamster sich bequem darin bewegen kann und bis zur Brust im Sand steht. Während Goldhamster eher durch den Sand marschieren, wälzen sich Zwerge genüsslich.

Gefüllt werden sollte das Sandbad nur mit Chinchillasand. Vogelsand oder Aquarienkies ist zu grobkörnig und scharfkantig.

 

 

* Studie zum Thema Laufradnutzung: http://www.tierschutz.vetsuisse.unibe.ch/unibe/portal/fak_vetmedizin/c_dept_dcr-vph/e_inst_tierschutz/content/e191756/e224004/e224515/e239760/Diss_Vonlanthen_ger_eng.pdf